
STADT NÜRTINGEN 2022 15
Mannschaft besetzte Kirchhof in Nürtingen. Der Prozess
der Stadtgründung war um 1335 abgeschlossen,
nachdem Graf Eberhard nach langen Wirren
wieder fest im Besitz des Landes war. Nürtingens
Gründung und Befestigung sind, historisch gesehen,
Bestandteil der territorialen Machtbildung des Hauses
Württemberg.
Die Merkmale einer mittelalterlichen Stadt waren
Marktrecht, Stadtrecht und Gericht sowie Befestigung
(»burger und gebauer zweiet nichts als zaun und mauer
«). Die Befestigung bestand aus einem dreifachen
Mauerkranz, gesichert mit Wassergraben, bewachten
Türmen und Toren. Das im Jahr 1327 erstmals erwähnte
und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts abgebrochene
Schloss, Witwensitz des württembergischen
Hofs zwischen 1421 und 1698, verweist auch im äußeren
Erscheinungsbild auf die Nähe der Stadt zur Landesherrschaft:
Der mächtige Flügelbau, zusammen mit der
benachbarten Laurentiuskirche den gesamten Schlossberg
einnehmend, hochaufragend über dem Neckartal,
dominiert in alten Ansichten das Bild der Stadt.
Stadtbürgertum
Wichtige Institutionen des Stadtbürgertums – Rathaus,
Lateinschule, Hospital – entstanden im 15. und 16. Jahrhundert,
im städtebaulichen Schutz von Stadtmauer
und Schloss. Das Rathaus an der Marktstraße (erbaut
1476/77) stand in engem Zusammenhang mit den dort
abgehaltenen Märkten. Die Marktstraße gehörte als
Umschlagplatz von Waren des bäuerlichen Umlands zu
den zentralen Funktionen einer Stadt. In der Stadt
ansässige Handwerke und Gewerbe waren durch die
Nachfrage begünstigt und entwickelten ein breites
Spektrum. Qualität, Preise, Maße und Gewichte der
Waren wurden von städtischen Beamten kontrolliert.
Direkt unter Aufsicht der Stadtverwaltung standen
Brot- und Fleischverkauf. Der Salzverkauf als
herzogliches Monopol wurde von der Stadt erworben
und besaß bis ins 18. Jahrhundert Gültigkeit.
Die ehemalige Lateinschule bildet zusammen mit den
beiden Gebäuden, die ursprünglich Vogtei und Stadtschreiberei
beherbergten, ein spätbarockes Ensemble
an der Südseite der Laurentiuskirche. An dieser Stelle
stand vor der Reformation das St.-Leonhards-Frühmepfrondhaus,
dessen Einkünfte 1536 auf die Lateinschule
übergingen. Die Nürtinger Lateinschule ist seit 1481
nachgewiesen und war eine der bedeutendsten Lateinschulen
Württembergs. Ihr hohes Ansehen gründete
sich auf eine Reihe hervorragender Gelehrter als Präzeptoren;
zu ihren Schülern gehörten Philipp Matthäus
Hahn, Friedrich Hölderlin und Friedrich Wilhelm Joseph
von Schelling. Eine rein bürgerliche Gründung war auch
das Nürtinger Spital (1526). Mit vielfachen sozialpolitischen
Leistungen an die Tradition des mittelalterlichchristlichen
Hospitalwesens anknüpfend, erwarb es
durch effiziente Finanz- und Kapitalpolitik den Rang als
die reichste öffentliche Stiftung in Württemberg.
Spital- und Stadtverwaltung standen in engem Zusammenhang.
Das Gebäude an der Neckarsteige, 1750 nach
dem großen Stadtbrand neu errichtet und heute die
Fachhochschule beherbergend, erhielt durch die
Gestaltung von Baumeister Groß d. Ä. auch einen
direkten optischen Bezug zum Rathaus, dem anderen
Pol der städtischen Selbstverwaltung.
Industrialisierung
Mit der Baumwollspinnerei Otto siedelte sich 1816 einer
der frühesten Industriebetriebe Württembergs in
Nürtingen an. Mit der Gründung eines Gewerbevereins
(1856), einer Handwerkerbank (1863), einer Gasfabrik
(1864) und dem Anschluss an die Eisenbahnlinie
Plochingen-Reutlingen 1859 wurde der Industrialisierung
der Boden bereitet. Nach 1884 entwickelte sich
um 1078 um 1250 1284 1286
findet sich in der Zwiefaltener Chronik
gelangte Nürtingen mit der Grafschaft
verkaufte Berthold von Neuffen
der erste schriftliche Hinweis auf
Urach in den Herrschaftsbereich
seine Güter aus dem Restbestand
den Ort selbst. Damals gelang es Graf
der aufstrebenden Grafen
des Herrenhofes an das Zisterzienserkloster
Liutold von Achalm vorübergehend
von Württemberg.
Salem am Bodensee, das in
in den Besitz des Ortes zu
Nürtingen einen Pfleghof
gelangen.
einrichtete (Salemer Hof).
belagerte und erstürmte König
Rudolf von Habsburg den von den
antiköniglichen Württembergern
besetzten Kirchhof von Nürtingen
und zerstörte dessen
Befestigung.